Verwertung von Ausbauasphalt

Vom Asphalt zum Ausbauasphalt. Verkehrsflächen benötigen taugliche Befestigungen, die den jeweiligen Anforderungen gerecht werden. Asphalt ist aufgrund seiner Vielseitigkeit DER universelle Baustoff im Straßen- und Verkehrswegebau und daher von besonderer Bedeutung.

Durch die Zunahme der Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen von bestehenden Verkehrsflächen und dem damit verbundenen kontinuierlichen Anstieg am mineralischen Baurestmassen gewinnt diese Gruppe von Abfälle dabei zunehmend an Bedeutung: Die Gruppe der mineralischen Baurestmassen stellt einen wertvollen Rohstoff zur Herstellung von Sekundärbaustoffen dar. Insbesonders ist die Verwertung von Ausbauasphalt in den letzten Jahren zunehmend in den Focus gerückt: Ausbauasphalt stellt hinsichtlich seiner Hauptbestandteile, Gestein und Bitumen, aus zweierlei Sicht einen wertvollen Rohstoff dar. Aus (volks-)wirtschaft-
lichen aber auch ökologischen Gesichtspunkten ist eine Verwertung bzw. Wiederverwendung geboten und auch zielführend.

Mengenaufkommen Altasphalt

 

Grundsätzlich ist das jährliche Abfallaufkommen konjunkturbedingten Schwankungen unterworfen und daher nicht exakt prognostizierbar. Laut Österreichischen Statusbericht der Abfallwirtschaft 2018, erstellt und herausgegeben vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus BMNT, betrugt das gesamte jährliche Abfallaufkommen in Österreich im Jahr 2016 rund 62 Mio. Tonnen.

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Der Anteil der Abfälle aus dem Bauwesen (Hoch-, Tief- und Straßenbau) betrugt dabei insgesamt über 44 Mio. Tonnen. Darin enthalten sind auch die angefallenen Mengen an Ausbauasphalt mit rund 2,0 Mio. Tonnen sowie Straßenaufbruch mit rund 0,75 Mio. Tonnen.

In gegenständlichen Bericht werden rund 1,93 Mio. Tonnen des angefallenen Ausbauasphalts und rund 0,71 Mio. Tonnen des Straßenaufbruches als „verwertet“ ausgewiesen. Es ist anzumerken, dass bei diesen Angaben nicht in gebundene bzw. ungebundene Verwertung unterschieden wird. 

Ausbauasphalt ist nicht gleich Ausbauasphalt
Umgangssprachlich werden oft unterschiedliche Begriffe verwendet: Altasphalt, Ausbauasphalt, Asphaltbruch, Fräsasphalt, etc. In den bautechnischen Regelwerken findet sich der Begriff „Asphaltgranulat“, im Abfallverzeichnis „Bitumen, Asphalt“ sowie in der Recycling-Baustoffverordnung der Begriff „Ausbauasphalt“. Zusätzlich wird im Abfallverzeichnis der österreichischen Abfallverzeichnisverordnung nach den Inhaltstoffen unterschieden und eine Zuordnung zu den sogenannten „Schlüsselnummern“ getroffen:

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Hinsichtlich der Verwertung von Ausbauasphalt sind die Vorgaben der Recycling-Baustoffverordnung von Bedeutung:

Zur Verwertung zulässig (Recycling-Baustoffverordnung Anh.1, Tab.1):

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Verwertung von Ausbauasphalt
Hinsichtlich Verwertung sind hierbei zahlreiche Regelwerke zu beachten. Ausbauasphalt unterliegt dem Abfallbegriff im Sinne des Abfallwirtschaftsgesetzes. Demnach sind für die Verwertung folglich abfallrechtliche Regelwerke zu beachten. Grundsätzlich ist hierbei nach den Begriffen der „Verwertung“, „Recycling“ und „Wiederverwendung“ zu unterscheiden, die bestmögliche Verwertung ist nach den Zielen und Grundsätzen anzustreben.

Im Fall von Ausbauasphalt bzw. Asphaltgranulat stellt die „Wiederverwendung“ d.h. die Mischgutherstellung für bituminös gebundene Trag- und Deckschichten die höchstwertigste Form der Verwertung dar. Die Verwendung in ungebundenen Schichten ist lediglich als „Verwertung“ zu sehen bei welcher Rohstoffe (Gesteine) substituiert werden.

Als bautechnische Regelwerke sind beispielsweise ÖN EN 13108-x, ÖN B 358x, ÖN B 3130, ÖN B 3132, ÖN B 3140 bzw. RVS 08.15.01 und 08.15.02 sowie 08.03.01 zu nennen. Für Mischgüter mit Asphaltgranulat nach ÖN B 3580-1, keine Höchstgrenzen für Zugabe von Asphaltgranulat.

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Recycling-Baustoffverordnung
Die Recycling-Baustoffverordnung ist mit 01.01.2016 in Kraft getreten. Die Recycling-Baustoffverordnung enthält Vorgaben für Bau- und Abbruchtätigkeiten, für die dabei anfallenden Abfälle, für die Herstellung und Einsatz von Recycling-Baustoffen sowie Bestimmungen für das (vorzeitige) Abfallende von Recycling-Baustoffen.

Bild 5Ausbauasphalt welcher lediglich hinsichtlich seiner „umweltrelevanten Parameter“ (z.B. Vorerkundung mittels Bohrkern) untersucht wurde, stellt noch keinen Recycling-Baustoff iS der Recycling-Baustoffverordnung dar und unterliegt daher nach wie vor dem Abfallbegriff.

Um Ausbauasphalt verwerten zu können, muss dieser erst zu einem Recycling-Baustoff aufbereitet werden. Die Recycling-Baustoffverordnung definiert einen Recycling-Baustoff im Sinne der EU-Bau-Produkteverordnung, die jeweiligen „umweltrelevanten“ sowie „bautechnischen“ Anforderungen sind vom Hersteller mit der Leistungserklärung zu deklarieren.

Nach Maßgabe der jeweils resultierenden Qualitätsklasse des fertigen Recycling-Baustoffes ist eine Verwertung im Wege der Mischgutherstellung bzw. der Einsatz der daraus hergestellten Mischgüter möglich.

Asphaltmischgut, Abfallende
Die Einhaltung der Vorgaben der Recycling-Baustoffverordnung sowie der EU-Bau-Produkteverordnung sind maßgeblich für das Erlangen des Abfallendes.
Ein vorzeitiges Abfallende ist ausschließlich für die Recycling-Baustoffe der Qualitätsklasse U-A bei Übergabe an Dritte vorgesehen. Als Anforderung für Recycling-Baustoffe zum Einsatz in der Asphaltmischanlage bzw. zur Mischgutherstellung sind zumindest die Qualitätsklassen B-B, B-C bzw. B-D einzuhalten.

Bei Recycling-Baustoffen der Qualitätsklassen B-B und B-C tritt das Abfallende mit dem Einbringen in die Asphaltmischanlage ein, das hergestellte Asphaltmischgut gilt als Produkt. Asphaltmischgut aus Recycling-Baustoffen der Qualitätsklasse B-D gilt weiterhin als Abfall im Sinne des Abfallwirtschaftsgesetzes. Das Abfallende tritt erst bei zulässigem Einsatz ein.

Anzumerken ist, dass „Fräsasphalt“ der Qualitätsklasse U-A welcher nicht gem. Recycling-Baustoffverordnung zu einem Recycling-Baustoff aufbereitet wurde, kein vorzeitiges Abfallende bzw. keine Abfallende im Wege der Mischgutherstellung erlangen kann.

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Altlastensanierungsgesetz, AlSAG
Grundsätzlich sind die Beitragspflichten nach dem Altlastensanierungsgesetz (AlSAG) an die Abfalleigenschaft und an eine beitragspflichtige Tätigkeit geknüpft. Wer eine Ausnahme von der Beitragspflicht in Anspruch nimmt, den trifft die Nachweispflicht (Beweislastumkehr).

Kann eine der Rechtsordnung entsprechende Verwertung nicht ausreichend begründet werden, wird dies dem AlSAG-Tatbestand des Ablagerns zugeordnet. Daraus resultiert eine Beitragspflicht nach AlSAG idH von € 9,20/to (zuzüglich 2 % Säumniszuschlag je geschuldetem Quartal). Weitere Verwaltungsstrafen (z.B. nach Abfallwirtschaftsgesetz) sind ebenfalls möglich.

Mit dem zulässigen Einsatz von Recycling-Baustoffen der Qualitätsklassen B-B und B-C tritt das Abfallende unmittelbar beim Einbringen in Mischanlage ein. Daraus hergestellte Asphaltmischgüter haben Produktstatus und unterliegen keinen abfallrechtlichen Einsatzbeschränkungen.

Durch das zulässige Abfallende im Wege der Mischgutherstellung können in Folge keine Beitragstatbestände nach dem Altlastensanierungsgesetz (AlSAG) begründet werden.
Die Verwertung von Recycling-Baustoffen B-B und B-C aus Ausbauasphalt im Wege der Herstellung von Asphaltmischgut B-B stellt eine rechtssichere Vorgehensweise war, welche zum einem Abfallende führt.

Qualitätsverbessernde Maßnahmen:
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Qualität des Ausbauasphaltes abhängig von damals eingebauten Mischgutsorten, deren Bestandteilen, Alter und Nutzung der Schichten, Witterungseinflüssen sowie von der Art der Gewinnung ist.

Mit der Zielsetzung einer größtmöglichen Wiederverwendungsrate von Bitumen und Gesteinskörnungen sowie zur Steigerung der Verwertungsquote für Zugabe ins Heißmischgut haben sich in der Baupraxis nachfolgende qualitätsverbessernde Maßnahmen bewährt:

  • Vorerkundung
  • Fräs-Management
  • Selektiver Rückbau („Schichtenfräsen“)

Vorerkundungen durch repräsentative Bohrkernentnahmen mit analytischer Untersuchung der unterschiedlichen Schichten liefern wertvolle Informationen über die Qualitäten des Ausbauasphaltes. Werden dabei die Vorgaben der Recycling-Baustoffverordnung eingehalten, können die Ergebnisse der Vorerkundung als Teil der Qualitätssicherung (sog. Umweltverträglichkeit) gem. Recycling-Baustoffverordnung übernommen werden.
Das Fräs-Management ist wesentlicher Bestandteil des verwertungsorientierten Rück- bzw. Ausbaues. Das schichtenweise Fräsen bestehender Asphaltkonstruktionen ist die selektivste Abbruchmethode von Asphaltschichten und gewährleistet nachhaltigste Verwertungsmöglichkeiten im Zuge der Produktion von Asphaltmischgut.
Entsprechend der zu erwartenden Materialqualitäten sowie der angestrebten Verwertung wird der Rückbau festgelegt. Ausbauasphalt aus dem gemeinsamen Ausbau von Deck- und Tragschichten kann nur als Zugabe in Heißmischgut für Tragschichten verwerten werden. Um Ausbauasphalt aus Deckschichten in Heißmischgut für Deckschichten wiederverwenden zu können, ist daher ein selektiver Ausbau der Deck- und Tragschichten zielführend. Der selektive Rückbau von Deck- und Tragschichten („Schichtenfräsen“) sowie die Ausschleusung von Schad- und Störstoffen sollte bereits im Zuge der Erstellung der Ausschreibung berücksichtigt werden.

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Wirtschaftliche Betrachtung Mischguterzeugung:
Die Verwertung bzw. Wiederverwendung bringt durch die damit einher gehende Rohstoffsubstitution bei Bitumen und Gestein auch wirtschaftliche Benefits. Vor dem Hintergrund der jährlichen Menge an Ausbauasphalt sowie der jährlich produzierten Mengen an Mischgut zeigt nachfolgende Bewertung die Größenordnung des wirtschaftlichen Benefits.

Ausgehend von den, zum Zeitpunkt der Texterstellung vorliegenden Angaben (Datenstand BMNT, Statusbericht 2017), einer jährlichen Mischgutproduktion von rund 8.000.000 to und der Annahme einer gemittelten Bitumeneinsparung von 3,5% sowie einer durchschnittlichen Zugabemenge von Asphaltgranulat von 10% der jährlichen Mischgutmenge, ergibt sich insgesamt ein Einsparungspotential wie folgt:

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Die zum Zeitpunkt der Texterstellung vorliegenden Angaben zur Verwertung weisen zwar eine jährliche Gesamtmenge aus, unterscheiden jedoch weiter nicht in gebundene und ungebundene Anwendung. Um diesen Umstand Rechnung zu tragen wurden im Kalkulationsbespiel als Zugabemenge von Asphaltgranulat ins Mischgut lediglich 10% der jährlichen Mischgutmenge angenommen, dies entspricht annähernd der gemittelten österreichweiten Zugabemenge von Asphaltgranulat im Wege der Mischguterzeugung bzw. rund 50% der im Statusbericht 2017 als Verwertung von Ausbauasphalt angegebenen Menge.

Anlagentechnik
Mit der Zielsetzung einer größtmöglichen Wiederverwendungsrate von Bitumen und Gesteinskörnungen sowie zur Steigerung der Verwertungsquote für Zugabe ins Heißmischgut ergibt sich aus Sicht der Anlagentechnik, aus dem Vergleich der unterschiedlichen Zugabesysteme, die Notwendigkeit einer Paralleltrommel.
Neben der Möglichkeit von Zugaberaten von Asphaltgranulat von bis zu 100% ergeben sich bei Einsatz von Paralleltrommel weitere Vorteile:

  • Asphaltgranulat wird im Gegenstromverfahren separat schonend getrocknet und erhitzt,
  • Direktzugabe des getrockneten und erwärmten Asphaltgranulats in den Mischer möglich,
  • dadurch resultieren im Vergleich zu einer Kaltzugabe kürzere Mischzeiten,
  • keine Wasserdampfbildung im Mischer.

Das Paralleltrommel-Verfahren ist die bewährte Lösung im Bereich der Heißzugabesysteme für Asphaltgranulat.

Zusammenfassung:
Ausbauasphalt ist ein wertvoller Rohstoff welcher aufwendig hergestellte Bestandteile enthält  und zu 100% wiederverwertbar ist. Seine Hauptbestandteile, Gestein und Bitumen, stellen damit aus zweierlei Sicht einen wertvollen Rohstoff dar, welcher auch in den kommenden Jahren durch die Zunahme der Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen vermehrt anfallen wird.

Bild 9Die Wiederverwendung von Asphaltgranulat im Asphaltmischgut und damit die Rohstoffsubstitution bei Bitumen und Gestein bringt zahlreiche Vorteile:

  • Substitution von Primärressourcen,
  • mindert die Abhängigkeit von Primärressourcen
  • wirtschaftlicher Benefit bei Mischguterzeugung und damit
  • Wettbewerbsvorteil der an den Auftraggeber weitergegeben werden kann.

Aus (volks-)wirtschaftlichen aber auch ökologischen Gesichtspunkten ist daher eine Verwertung bzw. Wiederverwendung geboten und mit Blick auf die wirtschaftlichen Benefits auch zielführend.

Letztendlich sehen wir auch den Gesetzgeber gefordert, der durch entsprechende Maßnahmen wie bspw. verpflichtende Verwertungsquoten und Öffentlichkeitsarbeit positiv zur Bewusstseinsbildung und damit auch zur Steigerung der Zugabemenge von Ausbauasphalt im Wege der Mischgutproduktion beiträgt.

Ing. Christoph Kranz
STRABAG AG, Bereich IQM, Abfallmanagement Österreich
A-2521 Trumau, Bahnstraße 1a
E-mail: christoph.kranz@strabag.com
www.strabag.com