Asphalt oder Beton? - Ein Weg zur Entscheidungsfindung

Autobahnen und Schnellstraßen sind als hochrangige Verkehrsträger eine der grundlegenden Voraussetzungen für den freien Güter- und Personenverkehr sowie die Befriedigung moderner Mobilitätsbedürfnisse. Darüber hinaus trägt ein bedarfsgerechtes, verkehrssicher ausgebautes und gut serviciertes Netz mit einer hohen Verfügbarkeit zur Entwicklung der Regionen und der Stärkung des Wirtschaftsstandortes Österreich bei.

Bild 1Die 1982 gegründete ASFINAG ist ein rein kundenfinanziertes Unternehmen und zuständig für die Planung, die Finanzierung, den Bau und die Erhaltung, den Betrieb und die Bemautung des österreichischen Autobahn- und Schnellstraßennetzes mit einer Gesamtlänge von 2.183 km.

Aufgrund der geografischen Lage mit sechs wichtigen Transitkorridoren und der damit stetig zunehmenden Verkehrsbelastung im hochrangigen Netz, sind es vor allem die hohe Tragfähigkeit und Verschleißfestigkeit, die somit längere Intervalle zwischen den Sanierungen ermöglichen sollen.

Als wirtschaftlich und innovativ agierendes Unternehmen, fördert die ASFINAG daher maßgeblich die Entwicklung von neuen Bauweisen und Techniken.

Ziel ist die maximale Verfügbarkeit – eines der wesentlichen Kundenkriterien - bei minimalem Erhaltungsaufwand. Die ASFINAG handelt als wirtschaftlich verantwortungsvoller Autobahnbetreiber - Hochbelastete Strecken verlangen nach belastbaren Belägen.

Wesentliche Einflussfaktoren für die Wahl der Bauweise:

Am Beginn jedes Projektes steht daher die Frage: Asphalt oder Beton. Die Entscheidungsfindung soll dabei nach objektiven Kriterien erfolgen. Die wesentlichen Einflussfaktoren sind:

  • Verkehrsbelastung, -entwicklung
  • Betrachtungszeitraum, Bemessungsperiode
  • Anforderungen Umwelt: Lärmemission, Recycling
  • Eigenschaften Unterbau
  • Verfügbarkeit Oberbaumaterialien
  • Netzverfügbarkeit (Kundenkriterien)
  • Wirtschaftlichkeitskriterien (Baukosten, bauliche und betriebliche Erhaltung inkl. Betriebskosten für z.B. Tunnelbeleuchtung.

Die ASFINAG hat vor einigen Jahren ein internes Berechnungstool, das sogenannte Decision Support Tool (DST) [1] entwickelt, das den Vergleich und die Bewertung von Oberbauvarianten ermöglicht. Diese Software kann bei Neubaukonstruktionen und Generalerneuerungen angewendet werden, indem verschiedene Oberbaukonstruktionen gemäß RVS 08.03.63 [2] hinsichtlich Lebenszykluskosten (inkl. Restwert), Abschätzung des Erhaltungsrisikos und Betriebskosten (z.B. Tunnel) analysiert werden.

Für die Durchführung der Bewertung bzw. den Vergleich sind sowohl für die vorgegebene Variante (Oberbau gem. Ausschreibung) als auch für die Alternative folgende Eingangsinformationen notwendig:

  • Lastklasse (gem. RVS 03.08.63) [2]
  • Bautyp (gem. RVS 03.08.63)
  • Einheitspreis
  • Art der Deckschicht

 

Bild 2

Bild 3Weiter erforderlich sind:

  • Gesamtschwerverkehr (JDTLV)
  • Anzahl der Fahrstreifen je Richtung
  • Fahrstreifenbreite
  • Bezug der Verkehrsbelastung auf die Fahrtrichtung

Für die Bemessungsperiode wird gem. RVS 03.08.632 ein Standardwert von 30 Jahren verwendet, welcher nicht verändert werden kann.

Für die Berechnung der Lebenszykluskosten sind weiter Informationen für die Abschätzung der Erhaltungsmaßnahmen erforderlich. Dabei können wir auf unsere Erfahrungen und Daten aus jahrzehntelangem Betreiben und Erhalten einfließen lassen.
Auf der Grundlage der Lebenszyklusanalyse können folgende Ergebnisse aus dem Decision Support Tool „Vergleich und Bewertung von Oberbaukonstruktionen“ entnommen werden:

  • Zustandsentwicklung Gebrauchswert und Substanzwert für jede Variante (siehe Abbildung 3)
  • Zustandsentwicklung Gesamtwert in Form einer vergleichenden Gegenüberstellung der beiden Varianten (siehe Abbildung 3)

Abbildung 3: Zustandsentwicklung Teilwerte und Gesamtwert als Vergleich beider Varianten

Weitere Entscheidungsschritte in einem Projekt

Bild 4Mit dem Decision Support Tool steht nun ein ASFINAG – internes, objektives Berechnungs- und Bewertungstool zum Vergleich alternativer Oberbaukonstruktionen zur Verfügung. Dabei kann die ASFINAG auch auf ein umfangreiches Datenmaterial und einen Bewertungshintergrund aus vielen Projekten zurückgreifen. Das Tool kann jedoch die Entscheidung im Einzelfall nicht abnehmen. Diese ist durch viele weitere Faktoren die es zu bewerten gilt, beeinflusst. Neben der Oberbaukonstruktion sind auch Überlegungen der Umsetzbarkeit aus technischer, verkehrstechnischer bzw. logistischer Sicht (Vorteile in der Erhaltung, Lärmschutz, Statische Notwendigkeit bei Bestandsbrücken, flexibler Einbau, kürzere Bauzeit, etc.), aber auch Personell anzustellen. Eine Marktanalyse ist ebenfalls durchzuführen und ergänzende Gutachten für projektspezifische Anforderungen, wie z.B.: Lärmschutz, Recyclingmöglichkeiten, sind einzuholen.

Grundsätzlich lässt die ASFINAG immer Alternativen zu, außer es ergeben sich einschränkende Anforderungen im Projekt, die einen Ausschluss von Varianten erforderlich machen. Die Qualitätsanforderungen an sich sind klar vom Auftraggeber zu formulieren. Die Möglichkeiten an das gestellte Ziel zu kommen obliegt in der Regel den Auftragnehmern.

Zusammenfassung

Bild 5Es gibt keine Entscheidung pro oder contra Beton/Asphalt. Beide Bauweisen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Als wirtschaftlich und innovativ agierendes Unternehmen, fördert die ASFINAG daher maßgeblich die Entwicklung und somit den Wettbewerb von neuen Bauweisen und Techniken.

Die Entscheidung fällt im Einzelfall: Die Wahl der für das jeweilige Projekt wirtschaftlichsten und aus Kundensicht optimalsten Bauweise. Mit dem Decision Support Tool (DST) [1] wurde eine Software für die Unterstützung bei der Entscheidung entwickelt.  
Die ASFINAG handelt als wirtschaftlich verantwortungsvoller Autobahnbetreiber - Hochbelastete Strecken verlangen nach belastbaren Belägen.

Literatur und Quellennachweise
[1]    Decision Support Tool (DST), Vergleich und Bewertung von Oberbauvarianten, Dokumentation, Version 2, November 2016, Dr. Alfred Weninger – Vycudil, PMS – Consult GmbH
[2]    RVS 03.08.63, Oberbaubemessung, FSV Wien

Ing. Franz Fegelin
ASFINAG Bau Management GmbH
8074 Graz Raaba, Fuchsenfeldweg 71
E-Mail:    franz.fegelin@asfinag.at
www.asfinag.at

Dipl.-Ing. Dr. techn. Johannes Steigenberger
ASFINAG Bau Management GmbH
1030 Wien, Modecenterstraße 16
E-Mail:    johannes.steigenberger@asfinag.at
www.asfinag.at