Die Südosttangente – Lebensader durch Wien

Projekte für eine moderne Infrastruktur– Hohe Kapazität, Sicherheit und Fahrkomfort. Die Tangente ist mit 17 Kilometern Länge die kürzeste Autobahn Österreichs, hat jedoch mit täglich bis zu 200.000 Fahrzeugen die höchste Verkehrsbelastung zu tragen.

Die Sanierung und der teilweise Neubau der Stadtautobahn unter Aufrechterhaltung des Verkehrs bei sehr geringem Platzangebot und einer hohen Anzahl von Einbauten stellt daher alle Beteiligten vor eine große Herausforderung. Die ASFINAG trägt im Rahmen dieses Sanierungsprojektes mit umfassenden Maßnahmen zur Optimierung von Knotenpunkten und einer Ausstattung mit einer elektronischen Verkehrsbeeinflussungsanlage den Anforderungen dieser Hochleistungsstrecke an die Zukunft Rechnung.

Die Errichtung der A23 Südosttangente Wien erfolgte zwischen 1967 und 1993, anfänglich wurden maximal bis zu 70.000 Fahrzeuge in 24 Stunden prognostiziert. Am 19. Dezember 1970 wurde der erste Abschnitt zwischen dem Knoten Inzersdorf und der Anschlussstelle Favoriten eröffnet. Bis 1978 folgten die weiteren Abschnitte Favoriten bis Knoten Prater sowie der Altmannsdorfer Ast. Der letzte Abschnitt zwischen dem Knoten Kaisermühlen und Hirschstetten wurde am 29. Juni 1993 freigegeben. Als Verbindung zwischen der S2 Wiener Nordrandschnellstraße mit der A22 Donauuferautobahn, der A4 Ostautobahn und der A2 Südautobahn befinden sich 12 Anschlussstellen und 3 Autobahnknoten (Inzersdorf, Prater und Kaisermühen) am Streckenzug.

Mit Beginn der Sanierung Hanssonkurve wurde das Projekt Tangente neu gestartet, in welchem die notwendigen Sanierungsmaßnahmen für die A23 Südosttangente Wien gebündelt wurden.

Sanierung Hanssonkurve
Baubeginn: 04/ 2011 – Fertigstellung: 09/2012

Im Zuge der Betondeckengeneralerneuerung wurde der 1973 errichtete Laaerbergtunnel von einer hellen, brandbeständigen Innenschale über die Sanierung der Stützmauern im Bereich des Verteilerkreises bis hin zur kompletten Erneuerung der Beleuchtung auf den letzten Stand der Technik gebracht. Im Zuge dessen wurden fünf, die A23 querende Brückenobjekte saniert und in einem Teilabschnitt eine 4 m hohe Lärmschutzwand errichtet. Zusätzlich wurde die Gründung des Laaerbergtunnel verstärkt, um die nachträgliche unterirdische Querung der Verlängerung der U1 zu ermöglichen. 

Um für die 145.000 Fahrzeuge, die diesen Abschnitt täglich passieren, die Behinderungen möglichst gering zu halten, wurden die Arbeiten überwiegen im Zuge von nächtlichen Spursperren durchgeführt. Tagsüber standen die 3 Fahrstreifen mit verengtem Querschnitt zur Verfügung. Lediglich in den Sommermonaten 2011 und 2012 wurde eine durchgängige Gegenverkehrsführung (3+1) eingerichtet.

Knoten Inzersdorf
Baubeginn: 03/ 2015 – Fertigstellung: 06/2017

Beginnend im Süden, beim Beginn der A23 Südosttangente und der A2 Südautobahn, wird beim Knoten Inzersdorf die Brücke über die Sterngasse und die Triesterstraße abgebrochen und neu gebaut. Der Neubau erfolgt im Taktschiebeverfahren. Die Arbeiten werden in zwei Phasen gegliedert. Im ersten Schritt wird die Brückenseite Richtung Graz abgetragen und neu errichtet, im zweiten Schritt folgt die zweite Brückenhälfte. In diesem mit rd. 34.000 Fahrzeugen täglich belasteten Abschnitt wurde eine einstreifige Verkehrsführung je Richtungsfahrbahn eingerichtet.

Zusätzlich entsteht Richtung Anton Baumgartner-Straße eine neue, vier Meter hohe Lärmschutzwand zum Schutz der rund 400 direkten Anrainer.

Hochstraße Inzersdorf – Neubau für mehr Fahrkomfort und besseren Anrainerschutz
Baubeginn: 03/ 2015 – Fertigstellung: 08/2018

Angrenzend an den Knoten Inzersdorf wird die mit rd. 145.000 KfZ/24h belastete Hochstraße Inzersdorf neu errichtet. Die fast 1 km lange Hochstraße Inzersdorf wird abgebrochen und durch eine Abfolge von Brücken und Dämmen ersetzt. Dies gelingt mit einer provisorischen Südverbreiterung (Stahlverbundtragwerk und Steilverbauten in den Dammstrecken), die nach der Baufertigstellung wieder zurückgebaut wird. Damit ist gewährleistet, dass während der Abbrucharbeiten und des Neubaus alle Fahrstreifen zur Verfügung stehen.
Eine weitere Herausforderung sind die Abbrucharbeiten selbst, da besonderes Augenmerk auf die Standsicherheit der verbleibenden und unter Verkehr befindlichen Brückenteile gelegt werden muss.
Nach der Fertigstellung verfügt die Hochstraße Inzersdorf über einen durchgehenden Pannenstreifen und einen neuen, auf 4,5 Meter erhöhten Lärmschutz für 4.500 Anrainer.

Umbau Knoten Prater – Umbau für den besseren Überblick und die optimale Verbindung zur A4 Ostautobahn
Baubeginn: 03/ 2014 – Fertigstellung: 10/ 2016

Der Knoten Prater als Verbindung zwischen der A23 Südosttangente mit rd. 190.000 Kfz/24h und der A4 Ostautobahn mir rd. 100.000 Kfz/24h in diesem Abschnitt ist das Herzstück der Tangentenerneuerung. Um für den Abbruch und den Neubau der Erdberger Brücke alle Fahrstreifen und Relationen aufrecht halten zu können, wurden Entflechtungstragwerke links und rechts der Erdberger Brücke errichtet, welche im Endausbau in das Verkehrskonzept des Knotens integriert wurden. Neben zahlreichen Einbauten und der Erdberger Straße musste der Internationale Busbahnhof Erdberg auch der Bahnhof der U3 überbaut werden sowie die Schifffahrt am Donaukanal immer möglich sein. Die Bauzeit konnte aufgrund einer innovativen Idee der ausführenden ARGE – dem Einsatz eines Abbruch Schiffes - um ein Jahr reduziert werden.

Sanierung Praterbrücke
Baubeginn: 02/ 2015 – Fertigstellung: 09/2017

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Praterbrücke. Mit bis zu 200.000 Fahrzeugen täglich ist die Praterbrücke die am stärksten befahrene Brücke in Österreichs. Seit ihrer Fertigstellung in den 1970er Jahren hat sich damit das Verkehrsaufkommen nahezu verdreifacht. Verstärkt und verbreitert wurde die Praterbrücke Ende der 1990er Jahre. Nun erfolgt eine Instandsetzung der 40 Jahre alten Brücke. Saniert werden bis 2017 das Tragwerk, die Stahlkonstruktion sowie die Fahrbahnoberfläche, die Leitschienen und die Beleuchtung wird erneuert und auf LED umgestellt.

Sanierung Tunnel Stadlau und Hirschstetten
Baubeginn: 02/ 2016 – Fertigstellung: 09/ 2017

Den nördlichsten Abschnitt der A23 bildet die Tunnelkette Stadlau und Hirschstetten, welche sowohl baulich wie auch elektrotechnisch saniert und brandschutztechnisch auf den letzten Stand der Technik gebracht werden. Erstmalig wird in Österreich das QMB (Quick moveabel barrier) System zum Einsatz gebracht. Dabei werden die Betonleitwände ohne Verkehrsanhaltungen umgesetzt.
Der Road Zipper ermöglicht die flexible Vergrößerung oder Verkleinerung von Baubereichen, fährt im Verkehr mit und versetzt in rund 10 Minuten einen Kilometer Leitwände.
Neben der Herstellung einer hellen Innenschale wird in diesen Tunnel in Kombination mit der LED Durchfahrtsbeleuchtung ein heller Asphalt eingebaut.

Sanierung Tunnel Kaisermühlen
Baubeginn: 09/2015 – Fertigstellung baulich: 06/2016

Im Jahr 2017 erfolgt die Sanierung der elektromaschinellen Ausrüstung.

Der Tunnel Kaisermühlen befindet sich zwar auf der A22 Donauufer-Autobahn, aber die Sanierung erfolgt abgestimmt mit Praterbrücke und Tunnel Stadlau und Hirschstetten, da die Verkehrsführungen ineinander greifen.
Der Tunnel und auch die Freilandbereiche bis zum Knoten Kaisermühlen werden baulich wie auch elektrotechnisch saniert.

Dabei wurde neben der Erneuerung der Tunnelbeschichtung und der Errichtung von Deckennieschen für die neue Tunnellüftung auch ein heller Asphalt eingebaut.

Generalerneuerung Knoten Kaisermühlen und Hochstraße St. Marx ab 2019

Ab dem Jahr 2019 ist die Generalerneuerung des Knoten Kaisermühlen und der Hochstraße St. Marx geplant. Dabei werden die Brückentragwerke, die Fahrbahn, die Leiteinrichtungen und auch der Lärmschutz komplett saniert. Im gesamten Streckenabschnitt der Tangente wird das Beleuchtungssystem erneuert und auf LED-Technologie umgestellt.

Was bedeutet "TANGENTE NEU"?

Die ganz besondere Herausforderung bei Baustellen auf so einer Hochleistungsstrecke liegt in der Planung der Verkehrsführung – denn: Spursperren unter der Woche unter Tags sind bei dieser hohen Verkehrsfrequenz nicht möglich. Das bedeutet, dass viele Arbeitsdurchgänge – wie beispielsweise der An- und Abtransport von Material – nur in der Nacht oder am Wochenende erfolgen kann – also eben dann, wenn weniger Verkehr ist.
Wichtig ist festzuhalten, dass die ASFINAG in den vergangenen Jahren sehr viel an moderner Technik zur Weitergabe von Verkehrsinformationen hier in Wien errichtet hat. Alleine auf der 17 Kilometer langen Tangente mit ihren 12 Anschlussstellen und drei Verkehrsknotenpunkten wurden 35 elektronische Überkopfanzeiger errichtet. Damit sind wir in der Lage – vor allem während der großen Bauphase – Verkehrsinformationen und Umleitungsempfehlungen in Echtzeit direkt an unsere Kunden auf der Strecke weiterzugeben.

Die Erfolgsfaktoren für eine reibungslose Abwicklung dieser Baustellen sind:

  • Abstimmung der Projekte untereinander inkl. der Bauphasen und Verkehrsführungen
  • Schaffung von Anreizen (Bonusmodelle, Qualitätskriterien) für Bauzeitverkürzungen
  • Einsatz von innovativen Baumethoden wie Abbruchschiff oder Road Zipper
  • Übergeordnete / Überregionale Abstimmung von Verkehrsphasen  
  • Intensive Baustellenabstimmung mit Stadt Wien
  • Information – Zeitgerecht für die richtige Routenwahl


Zusammenfassend ist festzuhalten, dass innerhalb wenigen Jahren sehr wesentliche und hochkomplexe Projekte auf der A23 Wiener Südost Tangente realisiert werden. Damit ist diese Hochleistungsstrecke für die zukünftigen Anforderungen bestens gerüstet.

Dipl.-Ing. Brigitte Müllneritsch
ASFINAG Bau Management GmbH
1030 Wien, Modecenterstraße 16
E-Mail: brigitte.muellneritsch@asfinag.at
www.asfinag.at

Dipl.-Ing. Thomas Pils
ASFINAG Bau Management GmbH
1030 Wien, Modecenterstraße 16
E-Mail: thomas.pils@asfinag.at
www.asfinag.at