Umfahrung Maissau - erstes PPP-Projekt für Landesstraßen

Verkehrsfreigabe für die Umfahrung Maissau

Nach nicht einmal 2–jähriger Bauzeit wurde am 7. Juni 2012, durch Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll die 5,6 km lange B 4 Landesstraßenumfahrung von Maissau feierlich für den Verkehr freigegeben. Die Umfahrung wird für Maissau eine Verkehrsreduktion um bis zu 70 Prozent bringen, derzeit sind rund 11.000 Fahrzeuge pro Tag (11% Schwerverkehrsanteil) in der Ortsdurchfahrt unterwegs.

Landeshauptmann Pröll zur Verkehrsfreigabe: "Mit der Verkehrsfreigabe der Umfahrung Maissau wird ein weiterer Meilenstein zum Ausbau der B 4 und damit zur besseren Anbindung des Waldviertels an den Wiener Raum gesetzt. In den letzten Jahren wurden bereits mehr als 50 Millionen Euro in diese Verbindung investiert: Zur Entlastung der BürgerInnen an den Ortsdurchfahrten, zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und Situation der PendlerInnen und zur Hebung der Standortqualität für die Wirtschaft."

In den letzten Jahren wurden an der B 4 bereits die Umfahrungen von Mold, Mörtersdorf, Ziersdorf und Seitzersdorf-Wolfpassing errichtet.

Erstes Landesstraßen PPP-Projekt in NÖ

Die Umfahrung Maissau wurde als Niederösterreichweit erstes Landesstraßenprojekt als
PPP-Projekt (Private-Public-Partnership) umgesetzt. Das Projekt umfasst:

  • den Bau der Umfahrung Maissau
  • Bau einer Zusatzspur zwischen Ravelsbach und Ziersdorf (3 km Länge; Verkehrsfreigabe erfolgte bereits am 22. Juli 2011)
  • Bauliche Erhaltung der B 4 (nicht Winterdienst) auf einer Strecke von 16 km (einschließlich Umfahrung Maissau) auf 25 Jahre

Bild 1Die Kernkompetenz des Strecken- und Winterdienstes wird weiterhin vom NÖ Straßendienst durchgeführt. Die Kostenabgeltung für den Bau und die Erhaltung erfolgt über jährlich festgelegte Raten an die Mercurius Straßenerrichtungs und -erhaltungs GmbH als Auftragnehmer.
Die Gesamtkosten für das gesamte PPP-Projekt belaufen sich auf € 81,5 Mio.

Aufgrund des monetären Projektvolumens solcher Umfahrungsprojekte könnte das Land Niederösterreich diese Projekte nur hintereinander gestaffelt abarbeiten. Durch die Umsetzung mittels PPP Modell können jedoch die einzelnen Projekte zeitlich sehr eng gestaffelt parallel starten. Die Vorteile können somit zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt unseren Bürgern und Verkehrsteilnehmern angeboten werden. Ein weiterer wesentlicher Vorteil liegt in der Budgetsicherheit. Das von der Bietergemeinschaft HABAU / Gebr. Haider angebotene Verfügbarkeitsentgelt kann als fixer Wert jährlich budgetiert werden.

Die wichtigsten Merkmale dieses Modells bestehen darin, dass es verstärkt ergebnisorientiert ist. Durch die Vorgabe von Funktions- und Qualitätskriterien ist es dem Auftragnehmer möglich, Innovationen einfließen zu lassen. Zudem werden mehrere Leistungen wie zum Beispiel Planung, Errichtung, Finanzierung und Erhaltung in einem Paket vergeben, wodurch Synergien genutzt werden können.

B 4 Umfahrung Maissau

Die Umfahrung von Maissau beginnt rund 1,5 km vor dem südöstlichen Ortsbeginn von Maissau mit einer Anschlussstelle (Maissau Ost). Die neue Umfahrung verläuft nordöstlich von Maissau. Nach der Querung des Weitenbaches erfolgt die Anbindungen der Landesstraße L 50 (Limberger Straße) mit einer Anschlussstelle und der Landesstraße B 35 (Retzer Straße) mit einer Halbanschlussstelle. In weiterer Folge führt die Umfahrung nördlich der Amethystwelt Maissau vorbei und mündet rund 2,0 km nach dem nordwestlichen Ortsende von Maissau mit einer Halbanschlussstelle (Maissau West) in die bestehende Landesstraße B 4 ein.

Ausführungsdaten

Die Umfahrungsstraße erstreckt sich über eine Länge von rd. 5,6 km und weist eine Fahrbahnbreite von 12,5 m auf. Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit wurde auf der gesamten Umfahrungsstraße eine so genannte 2 + 1 Markierung ausgeführt. Das bedeutet: Es steht für jede Fahrtrichtung wechselweise ein zweiter Fahrstreifen für sichere Überholvorgänge zur Verfügung. Dadurch sollen Konfliktsituationen beim Überholvorgang vermieden werden. Untersuchungen derartiger Straßenabschnitte haben eine Unfallreduktion von bis zu 40 % gezeigt.

Bild 2Die größte Einschnittstiefe beträgt 23 m. Der mächtigste Damm weist eine Höhe von 12 m auf. Um den ökologischen Anforderungen zu entsprechen wurden Amphibienleiteinrichtungen und Amphibiendurchlässe errichtet. Ebenso wurden Wildschutzzäune aufgestellt und Begleitpflanzungen und Wiederaufforstungen durchgeführt. Zwei der neun Brücken dienen als „Grünbrücken“ in Kombination mit einer Wegüberführung. Für den land- und forstwirtschaftlichen Verkehr wurden rund 4,1 km Wirtschaftsparallelweg errichtet.

Im Zuge der Umfahrungsstraße wurden neun Brückenobjekte errichtet. Für Maissau bedeutet die neue Umfahrung eine Verkehrsreduktion um bis zu 70 %.

Zahlen, Fakten, Daten der Umfahrung Maissau

  • Länge      5,6 km
  • Anschlussstellen      4
  • Brücken      9
  • Breite Asphalt      12,5m
  • Max. Längsneigung      5,75 %
  • Bankettbreite      1,25 m
  • Fahrstreifenbreiten      3,50 m/ 3,50 m/ 3,75 m
  • 2 Rückhaltebecken     Rückhaltevermögen  in Σ ca. 5.000 m³
  • Aufforstungsfläche      9,1 ha
  • Abtrag Straßenbau      635.000 m³
  • Schüttung Straßenbau      647.000 m³
  • Asphalt      36.000 t
  • Leitschienen      6,3 km
  • Wildschutzzaun      13,5 km
  • Amphibienleiteinrichtung      2,1 km
  • Amphibientunnel      4 Stk.
  • Pflanzen      ca. 90.000 Stk.
  • Bohrpfähle Brückenbau     940 lfm
  • Beton Brückenbau      13.400 m³
  • Bewehrungsstahl      1.100 t
  • Bau:     Fa. Mercurius Straßenerrichtungs und –erhaltungs GmbH

Projektziele

  • Bessere Anbindung des Waldviertels an den Wiener Raum
  • Verkehrsentlastung im Ortsgebiet von Maissau
  • Hebung der Standortqualität für die Wirtschaft
  • Verbesserung der Situation von PendlerInnen
  • Mehr Sicherheit durch 3-streifigen Ausbau

Erfolgsfaktoren
Beispielsweise können folgende Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung solcher PPP-Projekte am Landesstraßensektor angeführt werden:

für den Auftraggeber:

  • Risiko dort ansiedeln, wo es am besten beherrscht werden kann (adäquater Risikotransfer)
  • strenge, aber nachvollziehbare Regeln zur Sicherstellung der Vertragseinhaltung

für den Auftragnehmer:

  • Risiko dort ansiedeln, wo es am besten beherrscht werden kann (adäquater Risikotransfer)
  • Beauftragung des Planers durch AN erhöht die Planungsqualität
  • optimierte Lebenszykluskosten über die gesamte Vertragslaufzeit (hohe Ausführungsqualität, rechtzeitige Erhaltungsmaßnahmen)

für den Fremdkapitalgeber:

  • Risiko dort ansiedeln, wo es am besten beherrscht werden kann (adäquater Risikotransfer)
  • Beauftragung des Planers durch AN erhöht die Planungsqualität
  • optimierte Lebenszykluskosten über die gesamte Vertragslaufzeit (hohe Ausführungsqualität, rechtzeitige Erhaltungsmaßnahmen)

Bmstr. Dipl.-Ing. Jürgen Haider
Gebr. Haider Bauunternehmung GmbH
4463 Großraming, Großraming 40
E-Mail: juergen.haider@gebr-haider.at
www.gebr-haider.at

Bmstr. Dipl.-Ing. Wolfgang Leitgöb
Abteilung Landesstraßenbau und -verwaltung (ST4)
Fachbereich Baumanagement & Bauwirtschaft
3109 St. Pölten, Landhausplatz 1 Haus 17
E-Mail: wolfgang.leitgoeb@noel.gv.at
www.noel.gv.at