Projekt Y PPP Ostregion – Paket 1
Das größte Straßenverkehrsprojekt Mitteleuropas: 51 Kilometer Streckenlänge, 76 Brückenbauwerke, 4 Tunnels, 13.000 Pläne, 60.000 Tonnen Stahl, 1,6 Millionen Kubikmeter Beton, 10 Mio. Kubikmeter Erdbewegung, bis zu 1.500 Beschäftigte, 130 Planer und eine Investitionssumme von 933 Mio. Euro: das sind die Eckdaten des größten Straßenbauprojektes Österreichs und damit der größten Baustelle Mitteleuropas, genannt: Projekt Ypsilon (Y), PPP Ostregion Paket 1, im niederösterreichischen Weinviertel.
Der Name des Projektes symbolisiert die optische Anordnung der drei Verkehrswege, die ein Ypsilon bilden. Außergewöhnlich ist aber nicht nur die Dimension des Bauprojektes, sondern auch die Abwicklung. Es ist das erste PPP-Modell in Österreich im hochrangigen Straßennetz. Die ASFINAG hat hier in Form eines Baukonzessionsvertrages Teile der Planung, den Bau, des Betriebes und die Erhaltung an einen privaten Partner vergeben.
Insgesamt errichtete die Bonaventura Straßenerrichtungs GmbH, im Auftrag der ASFINAG, bei diesem Straßenprojekt 51 km Autobahn und Schnellstraßen.
Verkehrsberuhigung – mehr Lebensqualität
Mit der neuen Verbindung gehört die enorme tägliche Verkehrsbelastung nördlich von Wien der Vergangenheit an. Mehr als 20.000 LKW waren täglich auf der B 7 unterwegs und verstopften nicht nur die Straße, sondern vor allem auch die Ortskerne. Schwere Unfälle waren auf dieser überregionalen Landstraße an der Tagesordnung. Mit dem Bau der beiden Schnellstraßen S 1 und S 2 und dem ersten Teil der Autobahn A 5 konnte die Sicherheit und Lebensqualität der Bewohner enorm verbessert werden. Dem Transit- und Berufsverkehr stehen nun effiziente Verkehrswege zur Verfügung.
Das Y-Projekt gewährleistet eine wesentlich raschere Verkehrsanbindung an die Hauptstadt Wien, aber auch zu unseren Nachbarn in Tschechien. Die Ostregion gewinnt damit an Standortqualität und bleibt so konkurrenzfähig. Für das Weinviertel wird eine neue Ära eingeleitet.
Der Start
2003 wurde durch die ASFINAG mit den Vorbereitungen zu diesem Projekt begonnen. 2005 erfolgte die europaweite Ausschreibung als PPP-Projekt. Am 12. Dezember 2006 erhielt die Bonaventura Straßenerrichtungs GmbH den Zuschlag für die Planung, Finanzierung und den 30-jährigen Betrieb und die Erhaltung der Strecke. Die Gesellschaft wurde eigens für dieses Projekt gegründet. Ihr gehören die ALPINE Bau GmbH, die deutsche HOCHTIEF PPP Solutions GmbH und das französische Infrastrukturunternehmen Egis Projects SA an.
Für den Bau der gesamten Strecke war die von ALPINE Bau geführte Arge PPP Ostregion verantwortlich, die je zur Hälfte der ALPINE Bau GmbH und HOCHTIEF Construction AG gehört. Der Betrieb wird über einen Zeitraum von 30 Jahren durch die Bonaventura Straßenerhaltungs GmbH durchgeführt, der ebenfalls alle drei Unternehmen angehören.
Erstes PPP-Straßeninfrastrukturprojekt in Österreich
Public Private Partnership ist eine international höchst erfolgreiche Form der Zusammenarbeit der öffentlichen Hand und privater Unternehmen bei wichtigen Infrastruktur- und Versorgungsprojekten. In Österreich wurde mit dem Projekt Y, PPP Ostregion Paket 1, erstmals ein PPP-Projekt im hochrangigen Straßennetz realisiert. Die ASFINAG beauftragte ein privates Unternehmen – die Bonaventura Straßenerrichtungs GmbH – mit der Finanzierung, Planung, dem Bau und Betrieb der Strecke. Dafür zahlt die ASFINAG dem Betreiber über 30 Jahre ein monatliches Verfügungsentgelt. Dazu kommt eine so genannte Schattenmaut, die sich pro Fahrzeug und gefahrenen Kilometer berechnet.
Ist eine Fahrspur oder Richtungsfahrbahn vorübergehend nicht oder eingeschränkt benutzbar, reduziert sich das Verfügbarkeitsentgelt.
Zeitrekord
Ein Projekt dieser Größenordnung, so ist man überzeugt, braucht seine Zeit. Bei diesem Projekt scheint aber jede diesbezügliche Regel außer Kraft gesetzt worden zu sein. In einem äußerst knappen Zeitkorsett von nur drei Jahren konnte die größte Baustelle Mitteleuropas fertig gestellt und das Straßennetz dem Verkehr übergeben werden. Dabei waren technisches Know-how, Können und eine optimale Logistik Basis dieses unglaublichen Rekords. Die Baustelle erforderte enormen technischen, maschinellen und personellen Aufwand. So waren in Spitzenzeiten nicht nur 1.500 Beschäftigte im Einsatz, sondern auch vier mobile Betonmischwerke auf der Baustelle, die eine Leistung von über 700 Kubikmeter Beton pro Stunde erbrachten.
Während des Betriebes der Baustelle wurden für permanent auf der Baustelle beschäftigte Mitarbeiter temporäre Arbeitsplätze errichtet. 130 Mitarbeiter hatten ihren Arbeitsplatz im zentralen Baubüro. Dieses bestand aus 240 Baucontainern, die mit Gängen und Treppen auf zwei Ebenen miteinander verbunden waren.
3.000 m² Fläche standen für Büros, Besprechungsräume etc. zur Verfügung. Weiters wurden drei Wohnstätten in ähnlicher Ausführung, S 1 – Anschlussstelle B 8 Angerner Straße welche bis zu 600 Mitarbeiter beherbergen konnten, temporär errichtet. Ein eigenes Daten- und Planmanagement sorgte für die optimale Kommunikation zwischen allen Projektbeteiligten, galt es doch 13.000 Pläne umzusetzen.
Erster bergmännischer Tunnel
Neben besonderen Anforderungen an Projektmanagement und Logistik wies die Baustelle für Techniker eine Vielzahl an Herausforderungen auf. Galt es doch nicht nur Straßen, sondern auch Tunnels, Brücken, Wannen, Becken, Lärmschutzwände zu bauen.
So gehört zum Projekt auch der einzige bergmännisch gebaute Tunnel des Weinviertels: der Tradenbergtunnel, im Gemeindegebiet Hagenbrunn/Königsbrunn.
GPS der Extraklasse
Um die zahlreichen Bauwerke realisieren zu können, mussten 10 Millionen Kubikmeter Erde bewegt werden. Dabei bediente sich die ARGE modernster Technik, um dies auch in der vorgegebenen Zeit umsetzen zu können. Mit dem für diese Baustelle speziell adaptierten GPS-System konnten im schweren Erdbau einige Vermessungsteams eingespart werden. Baggerfahrer konnten dabei auf ihrem Bildschirm den Verlauf der künftigen Trasse sehen und arbeiteten sich GPS-gesteuert an diese imaginäre Linie heran. Dadurch wurde, mit einem Minimum an Personaleinsatz, eine hohe Leistung im schweren Erdbau erbracht.
Acht Sendestationen waren auf der Baustelle installiert und dienten dazu, die bei normalen GPS-Systemen entstehenden Unschärfen zu korrigieren. So konnten die üblichen GPS-Ungenauigkeiten zwischen zwei bis fünf Metern, durch das eigens entwickelte Referenzsystem, auf zwei bis drei Zentimeter reduziert werden.
Lärmschutz im Environmental Design
Lärmschutzwände, -dämme und Tunnels sorgen dafür, dass die Bevölkerung in der Nähe der Trasse möglichst wenig durch die Auswirkungen der neuen Verkehrsverbindungen gestört wird. Die Lärmschutzwände zeichnet – so wie das gesamte Projekt – eine einheitliche Gestaltung aus. Der hohe architektonische Anspruch – das Corporate Design – orientiert sich an der Landschaft des Weinviertels, die sich in der Optik widerspiegelt. Gearbeitet wurde mit abgerundeten Elementen und leicht fließenden Formen. Helle und wellige Silhouetten erleichtern dem Auge den Blick in die Landschaft. Das Ziel der visuellen Verschmelzung der einzelnen Bauwerke, wie Überführungen, Lärmschutzwände und Raststätten, mit der umliegenden Landschaft ist meisterhaft geglückt.
Besonders bei der Planung der Lärmschutzwände wurde auf eine optische Abwechslung hoher Wert gelegt, um für den Autofahrer keinen Tunneleffekt entstehen zu lassen. Für die Steilwände wurden unterschiedliche Gesteine verwendet – so entstand, der Umgebung des Weinviertels angepasst, der Eindruck einer Kellergasse.
Ökologie großgeschrieben
Das Projekt wurde nicht nur technisch und optisch, sondern auch ökologisch eindrucksvoll abgewickelt. Eine permanente ökologische Bauaufsicht und eine Umweltbaubegleitung kontrollierten den Bau. Ein landschaftsökologisches Ausgleichskonzept wurde umgesetzt.
Darin waren nötige Ersatzaufforstungen und andere ökologische Maßnahmen für den Ausgleich möglicher wesentlicher nachteiliger Auswirkungen auf die Umwelt festgelegt. Dazu zählen die Verwendung von Aushubmaterial als Dammschüttmaterial bzw. für die Lärmschutzdämme – wodurch man 75.000 LKW-Fahrten einsparen konnte – ebenso wie Abdichtungsmaßnahmen zur Sicherung des Grundwassers oder Rekultivierung der beanspruchten Flächen und deren Begrünung. Insgesamt wurden auf der Strecke rund 600.000 Pflanzen und Bäume ausgesetzt.
Sicherheit im laufenden Betrieb
Die Bonaventura Straßenerhaltungs GmbH betreibt das Projekt Y bis 2039, also 30 Jahre. Die gesamte Strecke wurde mit modernsten sicherheitstechnischen Einrichtungen bestückt, um die optimale Verkehrssicherheit auf dem Streckennetz und in den Tunnels zu gewährleisten. Die Überwachungszentrale am Knoten Eibesbrunn ist technisch exzellent ausgerüstet und 24 Stunden besetzt.
Das Projekt umfasst die Schnellstraße S 1 von Korneuburg bis Eibesbrunn sowie von Süßenbrunn nach Eibesbrunn und die Wiener Nordrand Schnellstraße S 2 Umfahrung Süßenbrunn. Bei Eibesbrunn mündet die S 1 in die Nordautobahn, welche von Eibesbrunn nach Schrick führt und den ersten A 5-Abschnitt Richtung Brünn darstellt.
Kontakt:
ARGE PPP Ostregion
Technische Geschäftsführung:
ALPINE Bau GmbH, Wiener Straße 41, A-2203 Großebersdorf,
Kaufmännische Geschäftsführung:
HOCHTIEF Construction AG, Wiener Straße 41, A-2203 Großebersdorf,
www.y-trasse.at