Einlaufschacht - The next genereation

Mag. (FH) Wolfgang Polzer

Kunststoff ist ein seit langem bekanntes Material im Straßenbau. Die Vorteile von Kunststoffrohren wie die rasche Verlegung, die Dichtheit für Jahrzehnte sowie die Tausalzbeständigkeit sind bei Auftraggebern wie auch bei Auftragnehmern wohl bekannt. Straßenabläufe hingegen werden mangels Alternativen nach wie vor traditionell als Betonbauwerk hergestellt. Damit ist nun Schluss!
Seit kurzer Zeit sind nun auch Einlaufschächte aus Kunststoff erhältlich, die sämtliche Vorteile dieses Werkstoffes für Straßenerhalter wie auch Straßenbauer mit sich bringen.

Entwicklung von Straßenabläufen

Abbildung1.jpgNicht nur in vergangen Tagen, sondern teilweise auch noch heute, werden, wenn auch nur vereinzelt, Ortbetonschächte (Abbildung 1) versetzt. Betrachtet man die nachstehenden einzelnen Arbeitschritte so wird ersichtlich, dass der Faktor Zeit, der sich selbstverständlich in Kosten widerspiegelt, eine nicht zu unterschätzende Komponente darstellt. Eingangs muss mit schweren Hebegeräten eine Schalung zum Einbauort gebracht werden. Die Schalung muss anschließend mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit befeuchtet werden. Danach muss Beton zum Einbauort gebracht werden. Je nach Außentemperatur muss nun der Beton unterschiedlich lang aushärten, erst dann kann die Schalung entfernt werden, welche anschließend gereinigt werden muss um sie für das nächste Bauwerk wieder verwenden zu können.

Jedoch hat die Betonschachtindustrie reagiert und einen Betonfertigteilschacht (Abbildung 2) am Markt eingeführt. Dieses System beinhaltet bereits eine Muffe zum Anschluss von Kunststoffrohren. Zusätzlich sind Aufbauten wie Ringe und Schäfte erhältlich. Dieses System wurde vom Markt rasch akzeptiert und gilt momentan als Standard in Europa.
Jedoch ist die Entwicklung nicht stehen geblieben und es gibt nun auch Straßenabläufe aus Kunststoff. Wie auf Abbildung 3 zu erkennen ist, besteht der Kunststoffstraßenablauf nur noch aus einem Bauteil und der Ablauf ist als Spitzende ausgeführt.

 
Abbildung2.jpg             
Abbildung 2         
Abbildung3.jpg
Abbildung 3


Welche Normen beziehungsweise Vorschriften sind in Österreich bei Einlaufschächten zu berücksichtigen?

Selbstverständlich wird der erste Blick, wenn es in Österreich sich um Produkte im Straßenbau handelt, in die RVS sein. Hierzu findet man die RVS 03.08.65, welche die Anordnungen von Straßenabläufen, also die Abstände, regelt beziehungsweise auch die Ablaufrohre hinsichtlich Mindestdurchmesser und Gefälle definiert. Das Bauteil selbst wird jedoch in diesem Regelwerk nicht spezifiziert (Stand Februar 2009). Da nichts in der RVS zum Bauwerk selbst zu finden ist, sucht man in den maßgeblichen Ö-Normen und EN-Normen, aber auch hier ist nichts definiert.

Abbildung4.jpgEs gibt jedoch ein europäisches Land, das selbst eine anzuwendende Norm für Einlaufschächte umgesetzt hat, nämlich unser Nachbarland Deutschland. In der DIN 4052 (Abbildung 4) wird das Bauwerk samt Zubehör wie Kübel oder Einlaufgitter geregelt. Diese DIN-Norm hat jedoch auch Auswirkungen auf Österreich. So stammen die Bezeichnungen 1a für den Boden von Fertigteilbetonschächten wie auch die Bezeichnung 5c für den Ring genau aus dieser Norm. Auch die Kunststoffschachtindustrie hat sich an dieser Norm orientiert.

Abbildung 4


Wo liegen nun die Unterschiede zwischen Fertigteilbetoneinlaufschächten und Straßenabläufen aus Kunststoff?

Gewicht:
Ganz klar: der Hauptunterschied liegt im Gewicht der Bauteile.
Während der Kunststoffstraßenablauf keine 3,5 kg auf die Waage bringt, wiegt der Betonfertigteilschacht in der niedrigsten Ausführung 120 kg - also fast das 35-fache des Kunststoffschachtes.

Dichter Anschluss: Ein weiterer Unterschied spiegelt sich im Auslauf wieder. Der Betonfertigteilschacht hat eine Muffe mit 30° Neigung, während der Kunststoffstraßenablauf mit einem Ablauf als Spitzende von 10° Neigung ausgeführt ist. Da nun das Bodenteil des Betonschacht 85 kg wiegt, ist es oft nicht einfach, den Bogen bis zum Anschlag anzubringen, also einen dichten Anschluss herzustellen. Aber auch bei Oberflächenentwässerung haben dichte Systeme massive Vorteile. Denn kommt es im Anschlussbereich zu keiner dichten Verbindung, führt diese zur Ausschwemmung von Feinanteilen. Dies wiederum ist ein Grund dafür, dass es zu Setzungen kommt. In der Abbildung 5 ist genau so ein Schadensbild ersichtlich.

Abbildung5.jpg
Abbildung 5


Beim Kunststoffstraßenablauf mit einem Spitzende und dem geringen Gewicht kann ein Bogen oder das Rohr selbst in kürzester Zeit dicht angeschlossen werden. Undichte Anschlüsse sind nahezu ausgeschlossen, da der Schacht mit dem Rohr auf selbe Weise verbunden wird wie das Rohr selbst.

Hochdruckspülbar: Ein weiterer Vorteil von Kunststoffstraßenabläufen besteht in der Hochdruckspülbarkeit, da Kunststoffstraßenabläufe fugenlos sind, verständlicherweise, da diese nur aus einem Bauteil bestehen. Bei Fertigteilbetonschächten müssen die einzelnen Bauteile mit Mörtel verbunden werden, welcher bei Reinigungsarbeiten mit dem Hochdruckspülgerät an seine Grenze stößt beziehungsweise mit der Zeit komplett verschwindet.

Frost- und Tausalzbeständig: Zusätzlich zeichnen sich Kunststoffstraßenabläufe durch ihre Frost- und Tausalzbeständigkeit aus. Gerade in Zeiten mit längeren und härteren Wintern, wo die Streuintervalle immer kürzer werden und das verwendete Tausalz immer aggressiver wird, ist die Tausalzbeständigkeit ein immenser Vorteil, da Salz die Lebensdauer von Betonschächten drastisch verkürzt.

Schlagzäh: Ein weiterer Vorteil von Kunststoffschächten besteht darin, dass diese sehr schlagzäh sind und somit keine Bruchgefahr besteht. Es wird zwar kein Hersteller empfehlen, die Einlaufschächte vom LKW in die Künette zu werfen. Fällt jedoch ein Kunststoffschacht zu Boden ist dies auch kein Problem.

Abbildung6.jpg
Abbildung 6


Zusammengefasst lassen sich die Vorteile in zwei Gruppen unterteilen:

Vorteile für den Straßenerhalter
  • FUGENLOS DA EINTEILIG
  • HOCHDRUCKSPÜLBAR
  • FROST- UND TAUSALZBESTÄNDIG
  • MINERALÄLBESTÄNDIG
  • SCHLAGZÄH = KEINE BRUCHGEFAHR
  • DICHT = KEINE SETZUNGEN
  • LEBENSDAUER > 50 JAHRE
Vorteile für die Baufirma
  • GEWICHT NUR 3,5 KG
  • SEHR KURZE EINBAUZEIT
  • KEINE HEBEGERÄTE ERFORDERLICH
  • NUR EIN MANN WIRD ZUM
    EINBAU BENÖTIGT
  • EINFACHST ZU KÜRZEN


Der Vergleich in der Praxis
Um die Vorteile des raschen Einbaus für die Baufirma nachweisen zu können, wurden im Jahr 2008 zwei sehr ähnliche Bauvorhaben miteinander verglichen. Beide Bauvorhaben haben sich in der Stadtgemeinde Leonding in Oberösterreich befunden. Es handelt sich jeweils um Erschließungen von Siedlungsneubauten, wo die Länge der Entwässerungsstrecke und somit auch die Anzahl der Straßenabläufe ident waren. Um einen guten Vergleich herstellen zu können, wurden beide Bauvorhaben von der gleichen Baufirma mit derselben Partie abgewickelt. Der einzige Unterschied bestand darin, dass am Silberweg traditionelle Straßenabläufe aus Beton eingebaut wurden, während in der Weesestraße Kunststoffstraßenabläufe von der Firma ROMOLD gewählt wurden.

LEONDING - SILBERWEG LEONDING – WEESESTRAßE

LAGERUNG
 
Lagerung_Alt.jpg Lagerung_Neu.jpg
  Obwohl noch nicht den Einbau selbst betreffend, haben Kunststoffstraßenabläufe bereits bei der Lagerung vor Ort Vorteile. Auf Grund des geringen Gewichts, passen 32 Stück Straßenabläufe auf eine Palette.

TRANSPORT ZUM EINBAUORT
 
Transport_alt.jpg
Transport_neu.jpg
Da bereits das Unterteil 85 kg auf die Waage bringt, kann auf schwere Hebegeräte nicht verzichtet werden. Bei einem Gewicht von 3,5 kg kann ein Mann ohne Probleme vier Straßenabläufe gleichzeitig zum tatsächlichen Einbauort bringen. Ein Bagger ist für den Transport nicht erforderlich.

VERSETZEN UND ANSCHLUSS
 
Versetzen_alt.jpg
Versetzen_neu.jpg
Auf Grund des hohen Gewichtes ist es oft sehr mühsam und zeitaufwendig, einen dichten Anschluss zwischen Betonstraßenablauf und dem Kunststoffrohr herzustellen. Der Kunststoffstraßenablauf ist mit einem Spitzende versehen. Der Straßenablauf kann somit rasch und dicht an das Rohrleitungssystem angeschlossen werden.

ZWISCHENTEIL AUFSETZEN
 
zwischenteil.jpg zwischenteil_neu.jpg
Nachdem der Boden versetzt wurde, muss nun Mörtel angerichtet werden. Das Unterteil wird ausgeschmiert, um anschließend das Zwischenteil aufzusetzen. Kunststoffstraßenabläufe sind aus einem Stück gefertigt. Somit wird kein Zwischenteil benötigt.

AUFLAGERINGE
 
Auflageringe_alt.jpg Auflageringe_neu.jpg
Für beide Systeme sind Auflageringe vorgesehen. In der Regel gilt es einen Straßenablauf so nah wie möglich zum Bordstein zu platzieren. Aus diesem Grund werden ROMOLD Straßenabläufe bereits mit
Auflageringen mit abgeschrägter Kante ausgeliefert (in Beton und Kunststoff erhältlich). Ein Nachbearbeiten des Betonauflageringes vor Ort ist somit nicht erforderlich.

SCHACHTABDECKUNGEN
 
Schachtabdeckungen_alt.jpg
Schachtabdeckungen_neu.jpg
Unabhängig, ob ein Beton- oder Kunststoffstraßenablauf verwendet wird.
Für beide Systeme können handelsübliche Einlaufgitter verwendet werden.



KUNSTSTOFF UND KLASSE D (400 kN)  - EIN WIDERSPRUCH?

Nein, keinesfalls! Kunststoffstraßenabläufe wurden bereits auf Autobahnen sowie Bundesstraßen problemlos verbaut. Am Containerterminal in Hamburg wurden bereits über 6000 Straßenabläufe verbaut. Auf Grund der schweren Hebegeräte, welche die unterschiedlichsten Container handeln, lautet der Anwendungsfall Klasse E (600 kN) – auch diese großen Belastungen stellen kein Problem für Kunststoffstraßenabläufe dar.

 

Abbildung7.jpg



KUNSTSTOFF UND ASPHALT?

Auch diese beiden Materialien können problemlos miteinander kombiniert werden. Durch den Einsatz von 100% Neumaterial und ohne Zugabe von Recycling- oder Schäumungszusätze trotzen Kunststoffstraßenabläufe auch Temperaturen im Straßenbereich von 177° C. Neben den im Straßenbau auftretenden hohen Temperaturen wird der Kunststoffstraßenablauf auch mit hohen Belastungen konfrontiert. Ein Verdichten mit großen Walzen stellt ebenfalls kein Problem dar.

Abbildung8.jpg



UNTERSCHIEDLICHE ANFORDERUNGEN MÜSSEN EINE GROßE PRODUKT-PALETTE ERGEBEN

Abbildung9.jpgUnabhängig davon, ob eine quadratische Abdeckung 450 x 450 oder eine rechteckige Abdeckung 300 x 500 verwendet wird: für beide Abdeckungssysteme gibt es industriell gefertigte Lösungen aus Kunststoff.
Werden tiefe oder kurze Eimer verwendet? Egal: für beide Varianten gibt es Straßenabläufe aus Kunststoff. Trocken- oder Nassschlammsysteme oder Bauteile mit Siphon, stellen ebenfalls kein Problem dar, da es für diese Einsatzbereiche ebenfalls Lösungen aus Kunststoff bereits gibt.

Abbildung10.jpgZusammenfassend lässt sich feststellen, dass Kunststoffstraßenabläufe sowohl für Auftraggeber wie auch für Verarbeiter enorme Vorteile bieten. Obwohl es sich noch um eine junge Technologie handelt, haben sich Kunststoffstraßenabläufe in der Praxis bereits ausgezeichnet bewährt. Die große Palette an industriell gefertigten Straßenabläufen stellt sicher, dass für jeden Anwendungsfall bereits das passende Produkt am Markt erhältlich ist.


Mag. (FH) Wolfgang Polzer
Friedrich Ebner GmbH.
5020 Salzburg, Münchner Bundesstraße 116
e-mail: polzer@friedrich-ebner.at



Powered by Plone   Design und Umsetzung der Website - bcom Marketing, Communication & IT-Solutions GmbH