Gehweg-, Radweg- und Straßenerhaltung in Graz
Zum Einstieg einige Zahlen, Daten und Fakten von Graz. Die Fläche beträgt 127 km², davon 40 % Grünfläche. In Graz wohnen ca. 290.000 Einwohner.
Das Straßennetz hat eine Länge von 996 km, davon sind 106 km Vorrangstraßen. Das Radwegnetz hat derzeit eine Länge von 194 km, wobei hier die Tendenz stark steigend ist. Grund dafür ist sicherlich unsere Schwarz – Grüne Regierungskoalition, die einen Schwerpunkt auf den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, z.B. Verlängerung von Straßenbahnlinien, und den Ausbau des Radwegenetzes und Fußgängerverkehrs setzt.
Im Vergleich dazu hat Wien eine Fläche von 415 km² und 1,7 Mio. Einwohner. Das Straßennetz hat eine Länge von 2.800 km. Wer wickelt nun die Straßenerhaltung in Graz ab? Mit den Agenden der Straßenerhaltung sind die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Graz betraut.
Die Wirtschaftsbetriebe wurden im Jahr 2002 als Eigenbetrieb der Stadt Graz gegründet, wobei hier die operativen Teile der Stadt aus verschiedenen Magistratsabteilungen zusammengelegt wurden. Die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Graz sind aber dennoch eine Magistratsabteilung, aber mit eigenem Statut. Also keine ausgegliederte Gesellschaft.
Das eigene Statut macht uns in Punkto Personalaufnahmen oder bei Vergabe von Leistungen flexibler, was die internen Wertgrenzen betrifft, als den restlichen Magistrat.
Neben dem Geschäftsbereich Straße sind die Wirtschaftsbetriebe in weitere vier Geschäftsbereiche eingeteilt.
Der Management Services – ist der interne Dienstleister, der die Angelegenheiten des Rechnungswesens abwickelt. Es werden hier pro Jahr ca. 11.000 Ein- und Ausgangsrechnungen bearbeitet sowie die Buchhaltung und Bilanzierung durchgeführt. Auch das Personalmanagement, die Kostenrechnung und das Controlling sind hier angesiedelt.
Im Bereich Technischen Service sind die Werkstätten des Betriebes angesiedelt. Mechaniker, Elektriker, Spengler servieren den Fuhrpark der Wirtschaftsbetriebe und anderer Magistratsabteilungen. Das sind über 400 Fahrzeuge. Außerdem werden die stadteigenen Papierkörbe hier produziert.
Im Geschäftsbereich Abfall ist die Müllabfuhr der Stadt Graz angesiedelt. Hier werden über 45.000 Tonnen gemischte Siedlungsabfälle jährlich gesammelt.
Der Geschäftsbereich Grünraum pflegt über 2 Mio. m² Park- und Grünflächen mit ca. 20.000 Bäumen in Graz. Außerdem werden im eigenen Anzuchtsbetrieb 15.000 Sträucher und Gehölze produziert.
In den Wirtschaftsbetrieben der Stadt Graz sind 700 Mitarbeiter beschäftigt und der Jahresumsatz 2008 betrug ca. 58 Mio. Euro.
Der Geschäftsbereich Straße gliedert sich einerseits in die Straßenerhaltung und andererseits in die Straßenreinigung und den Winterdienst der Stadt Graz. Insgesamt sind hier 320 Mitarbeiter beschäftigt, wobei die Hälfte in der händischen und maschinellen Straßenreinigung mit 70 Fahrzeugen, wie Kehrmaschinen, und Waschwägen und Transport - LKW im Sommer, und mit Pflug und Streuaufbauten im Winter täglich unterwegs sind.

Der Umsatz im Geschäftsbereich Straße betrug im Jahr 2008 rund 25 Mio. Euro inkl. der Personalkosten, wobei davon 18 Mio. Euro allein in der Straßenerhaltung zu Buche stehen.
Nach welchen Grundlagen wird die Straßenerhaltung von den Wirtschaftsbetrieben durchgeführt?
Einerseits gibt es die gesetzliche Pflicht der Straßenerhaltung die im Landesstraßenverwaltungsgesetz den Gemeinden für Ihre Gemeindestraßen übertragen wird.
Und Andererseits wird diese Aufgabe insofern verschärft, dass der Erhalter nach dem Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch § 1319a für den Zustand der Wege verantwortlich ist und im Schadensfall bei Vorsatz und Grobfahrlässigkeit dafür haftet.
Weiters gibt es noch die interne Geschäftseinteilung des Magistrat Graz, bei der die genauen Aufgaben definiert werden. Also neben der Straßen- Radweg- und Gehwegerhaltung, welche auch den Umbau und Neubau inkludiert, sind natürlich auch die Kunstbauten, wie Brücken, Stege und Stützmauern in der Erhaltung der Wirtschaftsbetriebe. Hier sind 8 Murbrücken und über 160 weitere kleinere Brücken Stege, sowie über 18 km Stützmauern und Steinschlichtungen im Stadtgebiet von Graz zu finden.
Als weitere Punkte sind wir für die Straßenmarkierungsarbeiten und die Aufstellung von Verkehrszeichen einerseits definitive, also fixe Verkehrszeichen, und andererseits auch für temporäre Verkehrszeichen, z.B. bei Veranstaltungen wie dem Graz Marathon, zuständig.
Wie sieht nun die Organisation aus?
Das Stadtgebiet von Graz ist in 2 Regionen mit 2 Erhaltungsstützpunkten aufgeteilt. Insgesamt wird das 996 mm lange Straßennetz von fünf Straßenmeistern für die betriebliche Erhaltung mit Ihren Mitarbeitern betreut, wobei ein Straßenmeister für den Innenstadtbereich zuständig ist. Die Stützpunkte werden durch jeweils einen Stützpunktleiter und einen Bauleiter, der für die Fremdvergaben zuständig ist, geführt. Weiters hat jede Region einen eigenen Straßenmeister für die bauliche Erhaltung, d.h. für größere Sanierungen im Eigenregiebereich.
Ein Straßenmeister ist für die Bodenmarkierung im gesamten Stadtgebiet verantwortlich. Für die Kontrolle der Fremdgrabungen und deren Instandsetzung sind drei Mitarbeiter verantwortlich, wobei ein Mitarbeiter das Gebiet Mitte betreut. Insgesamt sind hier 130 Arbeiter beschäftigt.
Wie oben beschrieben sind fünf Straßenmeister für die betriebliche Erhaltung verantwortlich. Diese geht über die allgemeine Instandhaltung und Ausbesserungsarbeiten über die Verkehrszeichenaufstellung. Es sind in Graz rund 30.000 fixe Verkehrszeichen aufgestellt. Natürlich gehören auch die Mäharbeiten sowie Bankettausbesserungen zu sehr wichtigen Arbeiten, welche die Verkehrssicherheit der Straßen, Gehwege und Radwege garantieren.
Apropos Verkehrssicherheit:
Um die Verkehrssicherheit immer zu gewährleisten wird das gesamte Straßennetz inkl. aller Gehwege und Radwege einmal in 6 Wochen von der so genannten Straßenkontrolle begangen und befahren und nachweislich dokumentiert. Dies dient einerseits den Straßenbenützern und andererseits dem zuständigen Straßenmeister, der persönlich lt. ABGB wie anfangs erwähnt bei grober Fahrlässigkeit haftbar gemacht werden kann.
Einen wichtigen Aspekt zur Verkehrssicherheit stellt auch die Markierung dar. Die Mannschaft umfasst insgesamt zwanzig Mitarbeiter die in zwei Tagpartien und drei Nachtpartien die Bodenmarkierung im Stadtgebiet von Graz erneuern. Die Hauptarbeit findet in der Nacht statt, um die Verkehrsbehinderung so gering wie möglich zu halten.
Für die Durchführung setzen wir zwei eigene selbstfahrende Hofmann H 16 Markiermaschinen und 3 Airless Kleinmaschinen ein, Im Jahr werden ca. 30 Tonnen Spritzplastik und Kaltplastik verbraucht.
Von den 106 km Radwegen sind 45 km längsmarkiert und 4.000 Symbole kennzeichnen die Routen für die Radfahrer.
Alle 3 Jahre werden die 950 Stk. „30“ Symbole, welche die „30 km/h Zonen“ in Graz kennzeichnen nachmarkiert. Und natürlich müssen die 47.000 m² Schutzwege und rund 140 km Linienmarkierung jedes Jahr erneuert werden.
Bei der baulichen Erhaltung, also zu Instandsetzungen und Erneuerungen, ist Graz die einzige Gemeinde, die noch in Eigenregie Straßensanierungen durchführt. Hiezu wird ein eigener Straßendeckenfertiger, 4 Mobilbagger, 1 Gräder und die dazugehörigen Erdbau- und Asphaltwalzen eingesetzt. Für die Transportarbeiten werden die eigenen LKW, welche im Winterdienst als Pflug und Streufahrzeug eingesetzt werden, verwendet.
Jede Erhaltungsregion hat eine Erdbau- und eine Asphaltpartie. Der Straßendeckenfertiger ist somit das ganze Jahr ausgelastet. Es werden hier ca. 25.000 Tonnen Asphalt und rund 40.000 Tonnen frostsicheres Material pro Jahr verbraucht. Natürlich werden im Zuge einer internen Qualitätskontrolle die Verdichtungswerte und Asphalteinbauqualitäten kontrolliert. Die einzelnen Sanierungsbaustellen, ob dies nun Instandsetzungen durch Fräsen oder Generalsanierungen sind, werden dann genau in die Kostenrechnung verbucht und laufend mit den Kostenschätzungen verglichen. Auf Grund dieser genauen und transparenten Aufzeichnungen gibt es derzeit kein Problem die Wirtschaftlichkeit der Sanierungen in Eigenregie darzustellen.
Pro Jahr werden rund 100.000 m² Straßen mit einer Mannschaft von 25 Mitarbeitern saniert. Um Nebenarbeiten wie Pflasterarbeiten, Rigolherstellungen, Gehsteigherstellung und Entwässerungsarbeiten bei den Eigenregiearbeiten abzudecken, werden diese Arbeiten an Dritte Fremdvergeben. Auch Arbeiten wie Brückensanierungen, wie am Bild des sanierten Puchsteg in Graz aus dem Jahr 1949, werden an Firmen vergeben.
Das Gesamtvergabevolumen an Dritte liegt bei ungefähr bei 4,5 Mio. EUR pro Jahr, das über die beiden Bauleiter selbständig abgewickelt wird. Die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Graz unterliegen natürlich dem Bundesvergabegesetz, wobei ein eigenes Leistungsbuch der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Graz, welches jährlich aktualisiert wird, verwendet wird.
Dieses Leistungsbuch ist grundsätzlich an alle gültigen Regelwerke wie RVS und ÖNORMEN angelehnt, wobei aber hier die für die Stadt Graz spezifischen Positionen und Leistungen, wie bei Pflasterungen oder Herstellung von Beleuchtung eingearbeitet ist. Das Leistungsbuch kann auf der Hompage der Wirtschaftsbetriebe (www.wirtschaftsbetriebe.graz.at) unentgeltlich downgeloaded werden und steht somit der Öffentlichkeit zu Verfügung.
Einen weiteren wichtigen Punkt in der Straßenerhaltung, der den Straßenzustand negativ beeinflussen kann, sind die Grabungen durch Dritte, also Grabungen durch die Leitungsträger wie, Wasser, Strom, Gas, Kanal usw.. Hier handelt es sich um rund 5.000 Grabungen / Jahr, die von drei Mitarbeitern kontrolliert werden. Vom Ablauf sieht dies in Graz so aus, dass natürlich um Aufgrabung anzusuchen ist, einerseits bei den Wirtschaftsbetrieben der Stadt Graz als Straßenerhalter - hier werden dem Gesuchsteller die Instandsetzung der Aufgrabung nach der Aufgrabungsrichtlinie der Stadt Graz vorgegeben und auch nach Durchführung der Arbeiten kontrolliert - und andererseits muss der Gesuchsteller die § 90 Bewilligung nach StVO bei der Straßenpolizeibehörde erwirken.
Die Kontrolle der Instandsetzung ist in Graz ein sehr wichtiger Punkt, um nach Grabungen keine Qualitätsverluste im Zustand der Straßen zu bekommen. Im Gegenteil: Durch die richtige Instandsetzung kann der Zustand oft verbessert werden. Außerdem sollen solche Situationen vermieden werden wie auf dem Bild, wo eine Gasleitung beim Fräsen gekappt wurde. Die Überdeckung der Leitung war 8 cm!
In der Stadt Graz sind Regelquerschnitte für die Straßen definiert, welche auch eine Typisierung nach Sanierungspriorität und Belastung darstellen. Dies beginnt bei den Hochrangigen Straßen, wie Gürtelstraßen, geht über Vorrangstraßen mit öffentlichem Verkehr bis hin zu den Untergeordneten Straßen, den Nebenstraßen und „30 km/h Zonen“. Der jeweilige Unterschied besteht beim Aufbau der gebundenen Tragschichten. Auch bei den Gehsteigen und Radwegen werden 50 cm ungebundene untere Tragschichten eingebaut, da dies einerseits den Vorteil bei Erneuerungen hat, ein nahezu durchgängiges Unterbauplanum zu haben und andererseits die Gehsteige und Radwege auch immer wieder von Schwerverkehr, LKW oder von eigenen Winterdienstfahrzeugen befahren werden.
Welche Schwerpunkte werden in Graz noch gesetzt:
Neben dem schon erwähnten Ausbau des öffentlichen Verkehrs und des Radwegnetzes, wird auch der behindertengerechte Ausbau von Gehwegverbindungen seit Jahren forciert. Hier wird bei jeder Gelegenheit von Gehsteigsanierungen und Kreuzungsumbauten das taktile Blindenleitsystem eingebaut. Dieses System besteht aus Rillenplatten und Noppenplatten. Die Rillenplatten führen die sehbehinderten Menschen z.B. von einer Hausmauer in der Längsrichtung bis zu einem Fußgängerübergang, der durch die Querverlegung der Platten vor dem Übergang eine Auffanglinie bildet. Das Grazer T wurde gemeinsam mit sehbehinderten Menschen der Stadt entwickelt. Ist ein Ampelgeregelter Übergang vorhanden, sind bei den Ampeln auch Akustikmelder angebracht, die den Sehbehinderten akustisch das Grünzeichen vermitteln. Die Randleisten sind in diesem Bereich auf 3 cm abgesenkt um den Sehbehinderten eine Orientierung zu geben. Für Rollstuhlfahrer wird unmittelbar daneben die Randleiste auf „0“ abgesenkt, um auch Ihnen einen barrierefreien Übergang zu ermöglichen.
Ein weiters Novum aus dem Jahre 2008 ist die so genannte Druckknopfampel für Autofahrer. Bei einer "normalen" Druckknopfampel hat ja der Autofahrer im grün und der Fußgänger meldet sich an. Bei dieser Ampel, welche eine hoch frequentierte Fußgänger- und Radfahrverbindung zur Grazer Innenstadt darstellt wurde der Spieß umgedreht. Der Fußgänger hat immer grün und die Autofahrer melden sich 100 Meter vorher über Induktionsschleifen in der Fahrbahn an. Die Wartezeit für den Autofahrer bzw. auch für den Fußgänger sind bei dieser Ampel max. 30 Sekunden. Das aktuellste Projekt der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Graz ist das GSS – Das Grazer Straßenmanagement System. Im Jahr 2008 wurde begonnen, den Zustand aller 996 km des Grazer Straßennetzes nach einem systemisierten Schadenskatalog zu bewerten und nach Schulnotensystem auszuwerten. Es wurden bis dato ca. 90 % des Straßennetzes mit drei eigenen Erfassungsteams visuell aufgenommen, wobei auch erstmalig die genauen Flächen der Fahrbahnen, Gehsteige und Radwege ermittelt werden.
Derzeit werden die erhobenen Daten in unsere Datenbank eingegeben. Die Auswertung der gesammelten Daten erfolgt mit der Firma PMS Consult über das Programm VIAPMS. Hier kann nun eine Straßenzustandsentwicklung mit den vorhandenen Budgetmittel für die nächsten 10 oder 15 Jahre gerechnet werden, und somit verschiedenste Budgetszenarien simuliert werden.

Ein wichtiger Punkt ist natürlich die Graphische Darstellung der Straßenzustände im Geodatenserver der Stadt Graz, wo man einen guten Überblick über das Grazer Straßennetz bekommen kann.
Eine Gesamtauswertung des Zustandes des Grazer Straßennetzes ist für Mitte 2009 seitens der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Graz, Geschäftsbereich Straße geplant.

Ing. Burkhard STEURER, MAS, MSc
Stadt Graz Wirtschaftsbetriebe
Geschäftsbereich Straße
Geschäftsbereichsleiter
8011 Graz, Floßlendstraße 2